Das Entscheiden über
eine Klassenwiederholung eines Schülers ist komplex.
Es scheint, dass eine Gesamtheit von Elementen den Lehrer
zu dieser Massnahme als die am Angemessenste veranlasst.
Dieser Artikel versucht, diese Komplexität zu erfassen
und zu analysieren. Vorgeschlagen wird, noch präziser
den Prozess der Urteilsbildung zu analysieren, der zu dieser
Entscheidung führt. Welche Elemente stützen das
Urteil, das zu einer Entscheidung für die Wiederholung
führt, und welches Gewicht nehmen die verschiedenen
Bestandteile in der abschließenden Entscheidung ein?
Die vorgestellten empirischen Daten gehen aus Gesprächen
mit 41 Lehrern der 6. Grundschulklassen im Kanton Genf im
Laufe des Schuljahres 2007-2008 hervor. Ausgehend von den
effektiven Entscheidungen einer Lehrperson, sowohl für
die Wiederholung eines Schuljahres als auch der Promotionsentscheidung,
versuchen diese Gespräche, die Entscheidungsgrundlage
des Urteils zu eruieren. Es zeigt sich, dass die persönlichen Überzeugungen,
dass diese Klassenwiederholung dem Kind «gut tun wird» zum
dominanten Entscheidungskriterium werden. Die Frage, ob dieses
Urteil als «professionell» qualifiziert werden
kann, wird in der abschliessenden Diskussion behandelt. |