Dieser Artikel untersucht
die grundlegenden Merkmale über das Entstehen der professionellen
Schülerbeurteilung. Konzeptionell wird davon ausgegangen,
dass die Genese dieses Prozesses an kognitive Prozesse und
an soziales Handeln geknüpft und an Kontextmerkmale
gebunden ist. Vertreten wird eine professionelle Schülerbeurteilung,
die auf einem multiplen Bezugssystem beruht, das Rahmenlehrpläne,
Kompetenzraster und Bezugspunkte verschiedenster Art benötigt.
Dieser Artikel beschreibt eine Forschungsarbeit, die mit
zehn Lehrpersonen der 6. Klasse der Primarschule im Kanton
Genf bezüglich ihrer summativen und prognostischen Schülerbeurteilung.
Die Ergebnisse dieser Studie beschreiben das Vorgehen der
Lehrperson bei der Setzung der Zeugnisnoten und ihrer Beurteilungsanpassungen,
die sie individuums- und situationsspezifisch vornehmen.
Besonders beachtet werden die sozialen und ethischen Dimensionen
der Urteilsfindung. Ein Entwurf zur Modellierung dieses Prozesses
in vier Punkten wird vorgestellt. Diese Modellierung kann
als Grundlage zur Ausbildung und zur kollegialen Fortbildung
dienen, um dem Prozess der professionellen Urteilsbildung
eine innere Kohärenz zu verleihen und um fehlerbehaftete
Verzerrungen bei der Notengebung einzudämmen. |