Dieser Artikel möchte
die Sozialwissenschaften für die Schule als Institution
neu interessieren. Die Institution Schule, die in ihrer Geschichte
als ein Ort zu begreifen ist, an dem sich nicht nur entscheidende
Formen sozialer Beziehungen knüpfen sondern auch einzigartige
Wechselspiele zwischen Wissen und Macht ergeben. Lange Zeit
auf die zentrale Frage der sozialen Klassenkonflikte im Erziehungsbereich
konzentriert, haben die Sozialwissenschaften die Schule als
Institution vernachlässigt, die eine relativ autonome
Sphäre von Aktivitäten mit spezifischem Wissen
und entsprechenden Praxen entfaltet.
In diesem Zusammenhang sollen die Etappen der Geschichte der
Schullehrform in Frankreich dargestellt werden: den Kollegien
des Ancien Régime bis hin zu den Schulen des 20. Jh.
Dabei werden die kleinen Schulen des Port Royal (1637 – 1660),
die Landschulen des Ancien Régime (von Charles Démia
und Jean-Batiste de la Salle) und nicht zuletzt die Schulen
der mutualistischen Bewegung vorgestellt. Mittels historischer
Rekonstruktion werden insbesondere die Schullehrform als Ausdruck
der Sozialisierung, als Kodifizierung des Wissens und Kodifizierung
der sozialen Beziehung im Lernprozess verstanden. |