Eine
Interaktion in Dyaden bedeutet nicht notwendig, dass nur zwei
Personen anwesend sind. Oft ist es möglich, Abschnitte
in dyadischen Interaktionen aus Kontexten zu isolieren, an
denen mehrere Personen beteiligt sind. Ein Beispiel ist das
Gespräch am familiären Mittagstisch, das wir im
Folgenden analysieren. Bei einem solchen Gesprächsanlass
besteht die normale Konversationsstruktur darin, dass in einem
unterschiedlich organisierten Rahmen mehrerer Personen beteiligt
sind. Deshalb braucht es Durchsetzungsvermögen (Goffman,
1964), um Raum und Exklusivität für einen dyadischen
Austausch zu gewinnen.
Diese Arbeit zeigt, wie
der dyadische Rahmen aus der Interaktionsstruktur mehrerer
Beteiligter beim Familienmittag herausgearbeitet wird. Darüberhinaus
analysieren wir die Ressourcen, die die Beteiligten einsetzen,
um den dyadischen Austausch vor Eingriffen anderer und / oder
vor dem Riskiko des Verlassens der Dyade durch ein Mitglied
zu schützen. Jüngere und ältere Kinder nehmen
aktiv an diesen Handlungen teil und lernen gleichzeitig durch
diverse dyadische Situationen solche Aktivitäten zu beherrschen.
Es ist nicht die Anzahl
der Beteiligten, die letztlich bestimmt, ob eine Interaktion
dyadisch ist oder aus mehreren Mitgliedern besteht. Unterschiedliche
und komplexe Beteiligungsrahmen, Allianzen und Herausforderungen
werden während des mittäglichen Familiengesprächs
gestaltet und verändert; genau in dieser interaktiven
Umgebung ständiger Aktivität erfolgt die Sozialisation
der Kinder in das komplexe sozio-kognitive Handeln.
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