Die universitäre
Institutionalisierung der Erziehungswissenschaften seit dem
ausgehenden 19. Jahrhundert vollzog sich ähnlich wie
diejenige der Sozialwissenschaften im allgemeinen unter den
Rahmenbedingungen unterschiedlicher Nationalstaaten, im Kontext
divergierender akademischer Institutionen und im Anschluß
an unterschiedliche akademische Kulturen. Die daraus resultierenden
Muster der Disziplinbildung sind Gegenstand der jüngeren
wissenschaftshistorischen und -soziologischen Forschung geworden.
Entsprechende Analysen unterschieden als typische Muster der
disziplinären Organisation dasjenige einer «fächerübergreifend-umfassenden
Sozialwissenschaft» (wie es namentlich durch das Durkheimsche
Programm der Soziologie in Frankreich repräsentiert wurde);
das der «strikten disziplinären Engführung»
(wie es insbesondere in Deutschland verwirklicht wurde) sowie
das Muster «pragmatisch feld- und professionsbezogener
Spezialisierung» (wie es an nordamerikanischen Entwicklungen
ablesbar ist). Der nachfolgende Artikel knüpft an solche
Modellbildungen an und untersucht Fragen von Kontinuität
und Wandel solcher national-typisch variierender Muster der
kognitiven und sozialen Ausgestaltung der Erziehungswissenschaften
bis in die jüngere Gegenwart. Im wesentlichen stützt
er sich dabei auf Zitationsanalysen deutscher, französischer
und (anglo-)amerikanischer erziehungswissenschaftlicher Zeitschriften
und Enzyklopädien. |